Arbeit Bildung Schöner Leben

Die Zukunft ist wichtiger geworden. Digitalisierung und selbstfahrende Autos und Kryptowährung und Arbeitswelt 4.0 und die Künstliche Intelligenz. Der Zeitraum für einen verlässlichen Zukunftsblick ist deutlich zusammengeschrumpft. Viele Leute gehen davon aus, dass sie in 10 Jahren im Prinzip so leben werden wir heute. Nur mit ein paar neuen Gadgets hier und da. Meines Erachtens ist das falsch. Ich beschäftige mich täglich mit Innovation. Und ich bin überzeugt, dass die vielen kleinen Veränderungen, die wir täglich erleben, unsere Gesellschaft ernsthaft beeinflussen werden. 

“Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.” – Mark Twain

Probieren wir doch mal einen Zukunftsblick. Sagen wir läppische 10 Jahre nach vorn. 2028.

  • Werden wir noch mit Geld bezahlen? Möglich. Aber sicher nicht in bar.
  • Werden wir noch Fleisch essen? Vermutlich. Aber vielleicht nicht mehr von extra dafür gezüchteten Tieren.
  • Werden wir eine Altersvorsorge abschließen? Wohl nicht in Form von Renten.
  • Werden wir ein Handy mit uns rumtragen? Wahrscheinlich nicht in der Hosentasche.
  • Werden wir Weihnachten feiern? Keine Ahnung.
  • Müssen unsere Kinder Jahreszahlen auswendig lernen? Werden wir ein eigenes Auto haben? Werden wir jeden Tag ins selbe Büro gehen? Auf gar keinen Fall!

Die spannende Frage: Wie werden wir leben?

Digital Natives

Meine dreijährige Tochter kann sich bei Apple Music eine Conni-Geschichte raussuchen, ohne dass ich ihr das erlaubt geschweige denn explizit beigebracht hätte. Sie bedient das Smartphone sicherer als so mancher gestandene Geschäftsmann einen Fahrkartenautomaten. Einige Leute, die ihren Kindern früher den Gameboy verboten haben, sehen darin den Untergang der menschlichen Zivilisation. Aber sie sollten sich damit abfinden, dass diese Entwicklung auch durch laute Beschwerden nicht aufzuhalten ist. Eingeleitet durch den Ohrwurm der Scorpions vor 30 Jahren entwickelt sich der Wind of Change immer mehr zu einem veritablen Sturm.

Vor fünf Jahren hat die breite Masse sich noch nicht mit Drohnen beschäftigt. Oder mit selbstfahrende Autos. Oder Sprachsteuerung. Musik-Flatrates. Selbstbedienungskassen im Supermarkt. Air BnB. Bitcoins. Oder Gesundheits-Trackern. Netflix war 2013 in Deutschland noch nicht einmal verfügbar.

Und heute? Netflix hat geschätzte 5 Mio. Abonnenten in Deutschland. Die Tagesschau sehen durchschnittlich etwa 8 Mio. Menschen. Die Tage, an denen sich die deutsch Bevölkerung um 20:15 vor dem Fernseher einfindet, um das Weltgeschehen erklärt zu bekommen sind gezählt. 

Aber was kommt als Nächstes? Was bringt ein Zukunftsblick? Manche Zukunftsforscher malen ein düsteres Bild der Zukunft, manche ein helleres. Je nachdem in wessen Auftrag sie gerade forschen. Und das ist auch in Ordnung. Nicht jeder muss Roboterhunde  per se toll finden.

 

Die wichtigere Frage: Wie wollen wir leben?

Kennt ihr das Buch  “Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben” von Timothy Ferriss? Ich bin kein uneingeschränkter Fan. Aber einen Aspekt fand ich bemerkenswert. Wenn es darum geht, herauszufinden, was man sich für die Zukunft wünscht, dann muss man sich in erster Linie die Frage stellen:

Wie soll mein Alltag in Zukunft aussehen?

Es geht nicht darum, ein schönes Auto zu fahren. Oder einen Fallschirmsprung zu machen. Oder auf Weltreise zu gehen. Oder viel Geld zu besitzen.

Alles das kann sicher zu einer schönen Zukunft beitragen. Aber es ist nicht die Zukunft. Es ist lediglich ein Aspekt der Zukunft, der im Zweifelsfall nicht mal besonders lange andauert. Stattdessen geht es vielmehr darum, wie man Tag für Tag leben möchte.

Hier ist mein Zukunftsblick. Meine ganz persönlichen Antworten auf diese ganz persönliche Frage.

Zukunftsblick: Arbeit

Schlagzeile: Mit der 28-Stunden-Woche beginnt die Zeit der Experimente

Gleich vorweg, egal wie sich die persönliche, finanzielle oder politische Lage entwickelt. Ich möchte auf jeden Fall auch in Zukunft arbeiten. Ich möchte meine Fähigkeiten auch in Zukunft einsetzen, um als Teil eines nachhaltigen, verantwortungsvollen und anständigen Unternehmens einen echten Mehrwert zu schaffen.

Zukunftsblick Arbeit

Aber unsere aktuelle Vorstellung von Arbeit ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Für viele mag der Ruf nach einer 28-Stunden-Woche oder die Einführung (und wieder Abschaffung) von Home Office revolutionär klingen. Und in manchen Jobs ist es das sicher auch. Aber das sind nicht die Jobs, in denen in 10 Jahren die Mehrzahl der Menschen arbeiten werden. In 10 Jahren müssen wir uns, was die Arbeitswelt angeht, ganz andere Fragen stellen, als die nach einem Mindestlohn, nach Gleitzeit oder danach, ob die Mitarbeiter auf Arbeit Facebook nutzen dürfen.

Mein Vorstellung von Arbeit in Zukunft stellt den Austausch zwischen Menschen, die gemeinsame Entwicklung von Ideen und die ständige Weiterbildung in den Fokus.

Dabei möchte ich mir für ein Projekt auch gerne mal mit Kollegen die Nächte um die Ohren schlagen oder ein Wochenende durcharbeiten. Und ich möchte Herausforderungen haben und Konflikte lösen. Aber ich möchte genau wissen, wofür ich das tue. Und zwar nicht für den nächsten Karriereschritt oder die kommende Gehaltserhöhung. Sondern für ein ganz konkretes, gemeinsames Ziel, an dem wir arbeiten, weil wir wirklich etwas besser machen möchten. Und nicht weil wir irgendeinen neuen raffinierten Weg finden müssen, um anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Branche ist dabei übrigens herzlich egal. Das gilt für die soziale Arbeit genauso wie den öffentlichen Dienst oder die Politik oder die freie Wirtschaft.  

Was ich auf keinen Fall möchte, ist 5 Tage die Woche 8 Stunden pro Tag in einem Büro sitzen. Einfach nur deswegen, weil das in einem Vertrag so definiert wurde, den ich unterschreiben musste, weil ich unbedingt Geld brauchte.

Zukunftsblick Sinn

Was man heute für seine Zukunft der Arbeit tun kann?

  • New Work: Man kann sich mit neuen Konzepten von Arbeit beschäftigen, sich mit anderen austauschen, die ähnliche Gedanken haben. Man kann sich Beispiele von Unternehmen ansehen, die Neues ausprobieren. Es gibt spannende Beispiele aus allen Branchen. Man kann Bücher lesen (mein Einstieg war „Reinventing Organizations„).
  • BGE: Man kann sich informieren über neue soziale Konzepte, wie zum Beispiel das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Man kann prüfen, welche politischen Bewegungen, sich mit diesen Konzepten auseinandersetzen und einen zukunftsgerichteten Blick auf das Thema Arbeit haben. Der Ruf nach Vollbeschäftigung ist nicht mehr zeitgemäß.
  • Working Out Loud: Man kann sich aktiv mit Kollegen aus dem eigenen und (ganz wichtig) aus anderen Unternehmen austauschen. Man kann neue Kontakte knüpfen und ein Gefühl dafür bekommen, was aktuell in der Wirtschaft passiert. 

Zukunftsblick: Bildung

Schlagzeile: KI kann besser lesen als Menschen

In zehn Jahren ist Wissen kein Erfolgskriterium mehr. Schon jetzt können Algorithmen Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen schneller und besser verarbeiten und aufbereiten als Menschen. Und ich möchte, dass meine Kinder gelernt haben, dieses Wissen kreativ anzuwenden.

Zukunftsblick Bildung

Ich möchte, dass meine Kinder in einem Bildungssystem groß geworden sind, dass den Fokus legt auf Austausch und Kreativitat und nicht auf Auswändiglernen und Stillsitzen. Click To Tweet

Ich möchte, dass sie lernen, was in einer vielfältigen, maschinengestützen, globalen Gesellschaft notwendig ist, um ein anständiges, zufriedenes und unterhaltsames Leben zu führen. Sie sollen sich verantwortlich fühlen für sich selbst, für ihre direktes Umfeld und für die Welt. Sie sollen offen sein für Neues und dabei bereit Fehler zu machen. Sie sollen sich wohlfühlen und sie sollen dazu beitragen, dass andere sich wohlfühlen. Sie sollen dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird und sie sollen dort Kritik üben, wo Kritik gebraucht wird.

Und sie sollen Spaß haben. Es soll ein Schulfach geben, das “Frohsinn” heißt. Wir könnten uns als Gesellschaft viel mehr Frohsinn leisten. Aber das haben wir nicht gelernt. Zumindest nicht in der Schule. 

Und meine Kinder sollen die Welt gesehen haben. Sie sollen lernen, dass es nicht nur Brandenburg gibt, oder Produktmanager oder Ärzte oder Familien mit Mama, Papa und einem Haus mit Garten.

Was man heute für die Zukunft der Bildung tun kann?

  • Alternative Bildungsmodelle: Welche Bildungsmodelle gibt es da draußen? Was ist die Philosophie hinter Montessori, Schools of Trust und ähnlichen? Man muss es ja nicht sofort gut finden, aber es lohnt sich mal über den Tellerrand zu schauen. 
  • Arbeitswelt: Man kann sich mit der Arbeitswelt der Zukunft beschäftigen, um zu verstehen, welche Fähigkeiten und Werte in Zukunft hilfreich sein werden und wie und wo man diese lernen kann. Die Annahme ist: je besser man eine technologische Entwicklung versteht, desto weniger bedrohlich wird sie.
  • Vorbilder: Man sollte den Kindern Freiräume geben sich auszuprobieren und trotzdem Grenzen setzen. Und ja, liebe Mit-Eltern da draußen. Dafür gibt es verdammt noch mal kein Rezept. Aber wenn ihr offen seid, für das, was in der Welt passiert, dann werden es eure Kinder vermutlich auch sein.

Zukunftsblick: Leben

Schlagzeile: ReGen Villages – Eine wahre Geschichte über technologische Utopien und Ökodörfer

Mich nervt die Anonymität der Großstadt. Kein Blickkontakt. Allein mit Millionen von Menschen. Nur, auf dem Land ist es auch nicht viel besser? Da ist man einfach nur so allein. Weil die Millionen von Menschen weggezogen sind. In die Stadt. Wo es Jobs gibt. Und Unterhaltung. Und schnelles Internet.

Zukunftsblick: Wohnen

Nennt mich Spießer, aber ich möchte in Zukunft in einem modernen, nachhaltig konzipierten Umfeld im Grünen wohnen. Dabei möchte ich nicht auf die moderne Infrastruktur verzichten. Das heißt, ich hätte gerne eine Breitbandverbindung, Zugang zu Einkaufsmöglichkeiten, Sport- und Freizeitangebote. Und natürlich soziale Kontakte. Idealerweise direkt nebenan. Können auch Arbeitskollegen sein. 

Ich möchte in Zukunft Arbeit und Privatleben nicht mehr trennen. Ich möchte nur noch unterscheiden zwischen Dingen, die ich gerne tue und Dingen, die ich nicht gerne tue. Click To Tweet

(Zweiteres habe ich bis 2038 hoffentlich radikal reduziert.)

Ich konnte mit dieser ganzen Ökobewegung lange nichts anfangen. Aber wenn ich jetzt an die Zukunft denke, dann möchte ich unser eigenes Obst und Gemüse anbauen. Nicht nur Äpfel und Kartoffeln sondern auch Oregano, Drachenfrucht und Kürbisse. Bisher sind meine Erfolge in diese Richtung im eigenen Hochbeet äußerst überschaubar. Aber ich habe ja noch 10 Jahre Zeit zum Üben.

Außerdem möchte ich mich in Zukunft davon verabschieden, ständig neuen Kram anzuschaffen, der uns den Platz vollstellt. Wir werden nur noch hochwertige Produkte kaufen oder leasen anstelle von Plastikschrott, der alle zwei Jahre weggeschmissen wird. „Minimalism“ lässt grüßen.

Energie erzeugen wir komplett selbst. Alles in allem brauchen wir in Zukunft eigentlich gar nicht so wahnsinnig viel Geld, um einen schönen Alltag zu haben.

Was kann man heute für sein zukünftiges Leben tun?

  • Nachhaltigkeit: Man kann sich damit beschäftigen, wo die Energie herkommt und wofür man sie verwendet. Was sind energieautarke Häuser? Welche Arten von regenerativen Energien gibt es? Wo kann man Energie und damit auch Kosten einsparen? 
  • Mobilität: Man kann die Entwicklungen im Bereich Mobilität im Auge behalten. Ich persönlich werde in meinem Leben wohl kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr kaufen. Wenn es soweit ist, hoffe ich auf Carsharing, Elektroautos oder eine Flatrate für selbstfahrende Autos.
  • Bio: Man muss ja nicht komplett auf vegetarisch oder Bio umsteigen. Aber mal selber ein paar Lebensmittel anpflanzen. Ob nun im Blumentopf, auf dem Balkon oder im Hochbeet. Oder von lokalen Erzeugern kaufen. Einfach wieder ein Gefühl dafür bekommen, wie und wo Lebensmittel eigentlich hergestellt werden.
  • Entrümpeln: Alles was einen nicht wirklich glücklich macht, kann man ausmisten und sein Geld im Zweifelsfall lieber in Erlebnisse investieren als in Besitztümer. Zeit ist das neue Geld

Fazit

Es ist völlig egal, was von diesen Vorstellungen realistisch ist und ob diese so oder so ähnlich in 10, 15 oder 50 Jahren eintreffen. Die Tatsache ist, dass aktuell sehr viele Menschen in sehr kurzen Abständen dafür sorgen, dass sich sehr viele Dinge ändern. Und es ist heute einfacher denn je, ein Teil dieser Veränderung zu sein. Nutz die Gelegenheit! Aber mach Dir bitte, bitte vorher bewusst, wo Du überhaupt hinwillst.

Mitgestalten

 

Ich möchte verstehen, ob dieser Zukunftsblick Sinn macht. Oder ob ich vielleicht schon 2-3 Ausfahrten zu früh abgebogen bin und damit jeden realistisch denkenden Menschen abgehängt habe. 

Aus diesem Grund habe ich einen kurzen Zukunftsdialog zusammengestellt. Ein paar kurze Fragen zum Thema Zukunft. Möglichst einfach und ohne viel Aufwand. Das soll inspirieren. Das soll Spaß machen. Und idealerweise soll es eine Unterhaltung auslösen. Wenn du also auch eine Meinung zur Zukunft hast (oder diese entwickeln möchtest) dann mach mit.

 


 


Wenn ihr an ähnlichen Beiträgen interessiert seid, dann empfehle ich euch die Blogparade Zukunftsblick. Da wird die ganze Zukunft noch einmal von ganz anderen Seiten aufgerollt.

Arbeit, Bildung, Leben – Warum man sich jetzt mit seiner Zukunft beschäftigen sollte
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