Zukunft der Arbeit, der Bildung und der Gesellschaft

Für den Jahresrückblick 2017 bin ich zu spät. Mist! Es gab einfach zu viel zu essen (und zu trinken) über die Feiertage. Da konnte ich mich einfach nicht aufraffen. Viele Blogger, die etwas auf sich halten, haben das vergangene Jahr unterhaltsam zusammengefasst. So zum Beispiel Tim Herbig über seine Erfahrungen als Speaker oder Büronymus über ihre Erfahrungen mit Superhelden. Aber eigentlich soll es hier im Blog ja auch eher um die Zukunft gehen. 

Also habe ich dann überlegt, ob ich vielleicht direkt meine Vorsätze fürs neue Jahr aufschreiben sollte. Auch sehr beliebt. Da fand ich die OKRs von Tobias Leisgang oder den Reset von Hendrik Epe sehr erfrischend. Das hätte man sich gut zum Vorbild nehmen können. Aber irgendwie konnte ich mich mit mir dann doch nicht auf die richtigen Ziele einigen. Eine Zeitlang standen 100.000 Twitter-Follower als gute Richtlinie im Raum. Aber das ist ja auch Stress. Dann muss man sich plötzlich Gedanken darüber machen, was man schreibt. Man will ja niemanden verärgern oder vielleicht noch verlieren. Und erst die ganzen Star-Allüren. 

Aber dann hatte ich plötzlich einen grandiosen Einfall. Ich schreibe einfach jetzt schon den Jahresrückblick 2018 mit meinen ganz persönlichen Highlights. Das ist Zukunft. Das ist Rückblick. Und da bin ich garantiert der Erste. Und ich brauch die dann Monat für Monat nur noch ganz entspannt abhaken. Und um Weihnachten rum poste ich den Artikel einfach noch einmal. Habe ich gleich wieder Zeit gespart. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Also allein schon für diesen Einfall könnte ich mir einen Orden verleihen.

Das würde ich direkt jetzt schon, während ich das schreibe, als mein erstes Highlight 2018 bezeichnen. Nur der Vollständigkeit halber: es gab auch 2017 schon einige Highlights auf die ich durchaus stolz war. Zum Beispiel der Artikel zum Thema „Zeit ist das neue Geld“. Ein ziemlich persönlicher Reisebericht über unseren allerersten Wohnwagentrip. Oder eine kleine aber feine Zusammenfassung vom Productmanagement Festival in Zürich, bei dem ich erstmalig als Speaker auftreten durfte. 

Aber wie ihr gleich sehen werdet, wird 2018 noch besser gewesen sein. Dabei ist es gar nicht so einfach, jetzt schon die konkrete Anzahl an Highlights für 2018 vorherzusagen. Ich gehe aber ganz stark davon aus, dass es sechs sein werden. Quasi ein halbes Highlight pro Monat. Weniger wären ein bisschen langweilig. Und mehr müssen in meinem Alter dann aber auch wieder nicht sein. Also herzlich Willkommen zu meinem Blick aus der Zukunft zurück in die …ähm… Zukunft.

1) The Blog goes global

Mein erstes Highlight 2018 war die Entscheidung diesen Blog zweisprachig aufzusetzen. Wird ja alles immer globaler. Eigentlich hatte ich das nicht vor. Die Zeit zum Schreiben war ja vorher schon stark begrenzt. Von 22:00 Uhr abends bis die Club Mate nicht mehr wirkt. Und dann noch übersetzen. Nee, echt nicht.

Aber dann habe ich deepl.com entdeckt. Die unglaubliche Genauigkeit, mit der deepl es schafft, auch kleinste Nuancen eines Textes akkurat und gut verständlich zu übersetzen, sind beachtlich und im Vergleich zur Konkurrenz von Google und Microsoft um Längen besser. (Originalübersetzung von deepl.com: The incredible accuracy with which deepl translates even the smallest nuances of a text accurately and easily understandably is remarkable and far superior to the competition from Google and Microsoft.)

Warum also nur für ungefähr 100 Millionen deutschsprachige Leser schreiben (ja, in den Alpen sprechen ja auch ein paar potenzielle Fans deutsch), wenn man mit nur wenigen Klicks mehr quasi für ein paar Milliarden schreiben kann. Groß denken. Beziehungsweise jetzt dank deepl: Think big.

2) #NewWork

Als ich den Blog futureproofworld.com im März 2017 gemeinsam mit Andreas Ilg gestartet habe, hieß mein erster Artikel „NewWork, WhyWork, IWork – Bewerbung zum Mitarbeiter des Monats“. Damals hatte ich ungefähr so viel Ahnung von der deutschen #NewWork-Szene, wie davon wie man einen vernünftigen Blogtitel auswählt.  Zumindest ersteres hat sich in den letzten zwei Jahren (also seit März 2017) definitiv geändert.

Bereits 2017 hatte ich mit ein paar hochmotivierten Kollegen den ersten Working Out Loud Circle bei etventure gestartet. Denjenigen, die aus unerfindlichen Gründen noch nie etwas von #WOL gehört haben, sei gesagt, es hat nichts mit Großraumbüros zu tun, auch wenn der Name das suggeriert. Wenn ihr es genauer wissen wollt, lest den unterhaltsamen Bericht „Working Out Loud in deutschen Konzernen: Geht es jetzt los? Eine ganz persönliche Bestandsaufnahme“ von Sabine Kluge oder schaut einfach direkt bei John Stepper auf Twitter vorbei.

Der Blog, WOL, soziale Medien, Konferenzen. Das alles hat dazu geführt, dass ich viele interessante Leute zum Thema #NewWork kennenlernen durfte. Andreas Zeuch von den Unternehmensdemokraten. Oder Klaus Burmeister von der d2030-Initiative. Oder Winfried Felser von (unter welcher Flagge netzwerkst du eigentlich, Winfried?). Oder Bianka Groenewolt und Tobias Leisgang aus dem Blogging Out Loud Circle.

Apropos Konferenzen: nachdem die NWX18 trotz gepfefferter Preise innerhalb von wenigen Wochen ausverkauft war, besuchte ich dann im Frühherbst die von Hendrik Epe initiierte „Newest of Work – Unkonferenz 2018“. Das war definitiv ein Highlight. Eine gute Mischung aus Experten, Bloggern und echten Menschen. Impulsvorträge, Austausch, kritische Panels und eine Dachterrasse. Den Ticketpreis konnte jeder Besucher selbst definieren und das gesamte Organisatorenteam hatte grüne T-Shirts mit dem Aufdruck „Elitärer Sch3155!“. Ich freue mich schon sehr auf die „NoW-U 2019“. Ich gehe stark davon aus, dass ich da mit mindestens einer radikalen These als Impulsgeber auftreten werde.

3) Buchprojekt zur Digitalisierung

Baum gepflanzt! Kind gezeugt! Was fehlt? Richtig! Der Blog hat gezeigt, dass das was ich schreibe, offensichtlich tatsächlich mehr Leute interessiert als nur die Verwandten ersten Grades. Daher habe ich ernsthaft angefangen über Bücher nachzudenken. Also nicht im Sinne von: Hmm, jetzt vielleicht mal echt ein ganzes Buch lesen! sondern mehr in Richtung: Krieg ich selber tatsächlich mehr als 2.000 Wörter zu einem abendfüllenden Thema einigermaßen ansprechend aneinandergereiht?

Aber um meiner Familie, den Lesern und meinem eigenen Ego den gescheiterten 1.000-Seiten-Epos zu ersparen, habe ich dankbar die Anfrage von Andreas Schiel aufgegriffen, um bei einem Buchprojekt zum Thema „Digitalisierung und Mensch“ mitzuwirken. Da ich beruflich was mit Digitalisierung mache und nachgewiesenermaßen ein Mensch bin (das kann man bei geschriebenen Texten ja laut FAZ heutzutage gar nicht mehr uneingeschränkt voraussetzen), hielt ich mich hinreichend qualifiziert für die Aufgabe.

Letztendlich ist dann eine wie ich finde sehr unterhaltsame und abwechslungsreiche Anthologie auf den Markt gekommen. Viele interessante Leute haben ihren Beitrag dazu geleistet, so zum Beispiel Conny Dethloff und Saskia Dörr. Ich kann mich leider gerade nicht 100%ig erinnern, wie das (wirklich sehr gute) im Sommer 2018 veröffentlichte ebook dann ganz genau geheißen hat. Aber ihr könnt ja mal googlen.

Der unglaubliche Erfolg dieser Veröffentlichung hat nun dazu geführt, dass ich gerne ein etwas umfangreicheres Projekt zum Thema “Schöne neue Arbeitswelt” umsetzen würde. Idealerweise wieder in Kollaboration mit inspirierenden Menschen. Idealerweise auch über die Grenzen von Deutschland hinaus. Vielleicht sogar ein anderes Format. Ein Bildband? Oder was Interaktives. Ich habe schon ein paar Ideen. Über die Feiertage mache ich mir da mal ein paar Gedanken. Und dann komme ich Anfang 2019 nochmal darauf zurück.

4) Co-Living Konzept

So. Dann wurde es fast schon visionär. Schon ziemlich lange schwirrte die ziemlich steile These in meinem Kopf rum, dass NewWork vielleicht auch irgendwie mit NewLiving und NewSociety zusammenhängt. Es könnte ja doch tatsächlich sein, dass sich unser schönes neues Arbeitsleben auch irgendwie auf unser Restleben auswirkt, oder?

Bereits in meinen 7 Thesen zur neuen Arbeit als Teil der intrinsify.me-Blogparade im November 2017 hatte ich das Thema Co-Living aufgegriffen. 2018 hat mich das dann nicht mehr losgelassen. Interessanterweise hatten sowohl Mark Poppenborg von intrinsify.me als auch Simon Berkler von the Dive sich schon mehr oder weniger sporadisch mit dem Thema beschäftigt. Dann muss ja irgendwas dran sein. 

Und so haben wir uns mal bei einer Weißweinschorle und einem Obstsalat aus der Region zusammengesetzt und der Fantasie freien Lauf gelassen, wie man New Work, Regen Villages, Villages 3.0, Co-Living und die digitale Transformation im Rahmen eines umfangreichen Experiments unter einen nachhaltigen Hut bringen könnte. 

Es ist noch nichts spruchreif. Sind ja alle vielbeschäftigt. Aber ich sag euch, das kann was ganz Großes werden. Würde mich sehr freuen, wenn wir zusammen zumindest einen Teil der Ideen 2019 in die Tat umsetzen könnten.

5) Blog Artikel über Toleranz

So. Jetzt aber mal ein Highlight, welches nix mit Arbeit zu tun hat. Ich will nicht in den Verdacht geraten, ein NewWorkaholic zu sein. Nachdem mein erfolgreichster Artikel 2017 ein kleines Brainstorming darüber war, warum es die neue weltoffene Partei “Demokratie in Bewegung” tatsächlich in den Bundestag schaffen könnte (was dann leider doch nicht geklappt hat), war mein persönliches Blog-Highlight 2018 der Artikel zum Thema Toleranz.

Der Titel “Ein Herz für Nazis” war – das muss man wohl zugeben – ziemlich provokativ. Und der Wunsch nach einem offenen, gemeinschaftlichen Miteinander vielleicht einen Tick zu naiv. Hat vielleicht aber auch gerade deshalb einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Generell war ich ziemlich stolz auf den Beitrag. Er war aus meiner Sicht gut recherchiert, persönlich, kritisch und brandaktuell. Aber einige Kommentare haben mich daran zweifeln lassen, ob ich das hier alles weitermachen sollte. Mit Trollen und Hate Speech habe ich so gar nichts am Hut. Das ist doch eigentlich so 2017. 

Auf der anderen Seite hat es aber auch dazu geführt, dass ich mich selber sehr kritisch mit meinem eigenen Toleranzverständnis auseinander setzen musste. Was muss man akzeptieren? Was kann man akzeptieren? Und was darf man auf keinen Fall akzeptieren. Im Endeffekt gab es ja auch einige ganz positive Rückmeldungen. Ich habe dann doch weitergemacht. Und es gab dann auch irgendwann weitere Artikel. Aber, wie ihr wissen werdet, erstmal wieder mit weniger kontroversen Themen.

6) etventure Future of Work

Und damit kommen wir zum letzten großen Highlight. Hmm. Wieder Arbeit. Irgendwie gab es da 2018 wohl einen roten Faden. Kann ja nicht schaden. So ein roter Faden.

etventure wurde Ende 2017 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY aufgekauft. Das kann man jetzt egal aus welcher Perspektive erstmal völlig zurecht skeptisch betrachten. So ein Firmenaufkauf kann ja auch mal ganz schön in die Hose gehen. Das ist nicht wie bei einem Fahrrad, dass man nach 14 Tagen zurückschicken kann, wenn die Räder nicht ganz rund laufen.  

Aber rückblickend lief das alles besser als erwartet. Es ist das eine über Coprorate meets Startup zu reden, aber das Ganze dann mal selber durchzuziehen, erfordert schon sehr viel Verständnis, Toleranz, Offenheit und Good Will von allen Beteiligten. Für mich persönlich hat nicht zuletzt der EY Claim: “Building a Better Working World” von Anfang an für eine positive, neugierige Grundeinstellung gesorgt. Da konnte man gut ansetzen.

Und so hat sich Anfang des Jahres bei etventure eine kleine Gruppe von engagierten und interessierten Mitarbeitern aus ganz verschiedenen Bereichen zusammen getan, um herauszufinden, wie wir die Arbeit der Zukunft mitgestalten können. Mit dem EY Beacon Institut, welches sich intensiv mit sogenannten Purpose-Driven Organizations beschäftigt, haben wir nun einen vielversprechenden Ansprechpartner zum Thema “Future of Work” quasi in den eigenen Reihen. Daraus sind 2018 einige sehr spannende Experimente hervorgegangen, über die wir ja auch ausführlich berichtet haben. 2019 werden wir hier hoffentlich noch größere Schritte machen können.

Was wir arbeiten und wie wir arbeiten, wird sich in Zukunft radikal ändern. Roboter interessieren sich nicht für Überstundenausgleich, Mindestlohn und Rentenansprüchen. Darum ist die wichtigste Frage für die nächsten Jahre: Warum werden wir arbeiten?

Zurück in die Zukunft

So Leute. Wer hätte gedacht, dass 2018 so viel passiert gewesen sein wird. Es gab übrigens bestimmt noch andere großartige Ereignisse. Der Inselurlaub mit meiner Familie. Das Product Management Festival 2018. Magic Cleaning. Tolle Begegnungen. Spannende Bücher. Das erste Hockeyturnier meiner Tochter. Die Grillparty bei -5 Grad. Aber wer weiß schon so genau, was die Zukunft gebracht haben wird?  

PS: Einen kleinen Vorsatz für 2018 will ich jetzt doch noch anbringen. 2017 habe ich relativ planlos über alles geschrieben, was mir eingefallen ist und mir nicht so viel Gedanken über Stil, Ton, Länge oder Inhalt gemacht. Ich möchte da künftig etwas gezielter vorgehen. Wenn ihr diesem etwas unkonventionellen Ausflug in die nähere Zukunft etwas abgewinnen konntet, lasst es mich gerne wissen oder noch besser lasst es andere wissen. Sollte dieser Artikel mehr als 2.000 Leser finden (was die neue Bestmarke wäre), dann werde ich ihn verfilmen (wie auch immer das aussehen mag).

PPS: Ich habe mir das Ganze jetzt noch einmal durchgelesen. Und man könnte sagen: „Holla die Waldfee, nix gegen einen gesunden Optimismus, aber das grenzt an Realitätsverlust.“ Dazu fällt mir eigentlich nur noch folgendes ein:

Jahresrückblick 2018

 

Der (allererste) Jahresrückblick 2018 – ein Blick zurück aus der Zukunft
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